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Preis und Dank am Tisch des Herrn.

Das Herzstück nahezu jeder Kirche ist ein Tisch, der häufig keine Beine hat und an dem auch selten jemand sitzt. Trotz allem nennen wir den Altar „Tisch des Herrn“.

Zunächst einmal gilt: In einer Evangelischen Kirche gibt es weder geweihte Gegenstände noch etwas, das Heiliger wäre als anderes. So ist selbst unser schmucker Altar nichts anderes als ein Kunstwerk. Geschaffen zur Ehre Gottes, aber an sich nicht heilig.

 

Bei den Altären im Alten Testament sah das anders aus. Zunächst handelte es sich um erhöhte Opferplatten, in der Funktion etwa vergleichbar mit einer Schlachtbank. Ganz pragmatisch: So mussten sich die Opfernden nicht bücken, und die Erhöhung gab der Opferhandlung eine besondere Würde. (Eine besondere Opfergeschichte findet sich z.B. in 1. Könige 18, dort wird ein Altar aus 12 Steinen gebaut.) Der Altar wird gebraucht, um sich durch Opfergaben mit den Göttern, bei den Kindern Abrahams mit dem EINEN Gott, zu versöhnen.

 

Im Neuen Testament steht der Altar als Zeichen für das sichtbar beginnende Reich Gottes. Es braucht keine Opferplatte mehr, weil mit Christus ein für alle Mal alles notwendige Opfer dargebracht wurde. Der Anbruch des Reiches Gottes macht weitere Opfer überflüssig, stattdessen bringen sich die Menschen mit ihrem Dank selbst als Opfer dar. Der Altar wurde von der Opferplatte für den unsichtbaren Gott zum „Tisch des Herrn“ für die Gemeinschaft mit Jesus Christus, verbunden mit dem Verzehr von Brot und Wein.

 

Im Lauf des 4. Jahrhundert wurden aus dem bis dahin oft nur  zum Abendmahl aufgebauten Tisch feststehende Altäre, die Altarräume wurden abgetrennt und es wurde unterschieden zwischen dem Raum für die Gewöhnlichen und dem Raum für die Heiligen. In der Gottesdienstlichen Sprache wurden in Anlehnung an die römische Opferkultur Brot und Wein zu Opfergaben, ein Irrtum, der sich noch heute in manchen liturgischen Entwürfen findet. So wurde der Altar wieder zum Tisch für die Opfergaben. Der Wein wurde – als Christi Blut - so heilig, dass er dem normalen Volk verwehrt wurde, und die Zelebrierung wurde immer detaillierter: Es gab Regeln für die Deckchen über Kelch und Brot, mit dem Leitsatz „Cor ad altare“ („Das Herz zum Altar“) war selbst die Drehrichtung des Liturgen vorgeschrieben.

 

Mit Martin Luther blieb der Altar besonderer Gegenstand, in lutherischen Kirchen ist er oft reich verziert und zeugt von Handwerkskunst. In den reformierten Gemeinden besteht der Altar oft aus einem schlichten Tisch. Genutzt wird er genauso: Er dient vor allem der Zur-Schau-Stellung der Bibel und dem Standort für Kerzen und Schnittblumen. Erstere verzehrt sich selbst wie Christus, und die Schnittblumen sind Zeichen des Sterbens als Vorgang, der zum Leben dazugehört. Mit auf dem Altar gehört außerdem das Kreuz.

 

Der Altar ist der Platz für Brot und Wein  sowie die eingesammelte Kollekte. Das sind aber keine Opfergaben, sondern wir opfern uns und bringen Gott unseren Dank („Eucharistie“ = „Danksagung“). Außerdem ist der Altar Ort für Tauf- und Traukerzen, und es liegen dort die Ringe, die Traubibel und ggf. die Urkunden.

 

Das besondere an unserem Altar ist das, was hinter dem Steinkubus steht: Der St.-Albans-Altar aus dem 16. Jahrhundert. Mehr zu diesem Schmuckstück können Sie auf unserer Website lesen oder in dem kleinen  Kirchenführer, der in unserer Kirche ausliegt. Eines der Besonderheiten des Altars ist neben seiner hohen Kunstfertigkeit die älteste existierende Farbansicht der Stadt Mainz.

 

Die von Alban überlieferte Lehre besagt, dass die Beziehung der Menschen zu Gott entscheidender ist als jede historische Faktizität. So ist es auch mit unserer Beziehung zum Altar: Wie heilig er für uns ist, muss jeder für sich entscheiden. Jeder Tisch, jede Picknickdecke kann uns heilig sein, je nach Verwendungszweck. Verbindlich für alle heilig ist allein der dreieinige Gott!

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